Meteorologisch gesehen war es zwar nicht das heißeste Wochenende des an Temperaturrekorden so reichen Sommers 2026, aber für die 142 Teilnehmer/innen des 17. Kirchseeon-Opens und den Veranstalter Schachclub Kirchseeon war es auf jeden Fall eines der heißesten Schach-Event des Jahres.

Nach der stimmungsvollen Eröffnung am Freitag, den 10. Juli um 19 Uhr durch den Bürgermeister Jan Paeplow (Markt Kirchseeon) und dem stellvertretendem Landrat Walter Brilmayer wurde bei Außentemperaturen um die 30 Grad in der Kirchseeoner ATSV-Halle 48 Stunden lang von Freitagabend den 10. Juli bis Sonntagabend den 12. Juli in 5 Runden intensiv um jede Figur und jedes Feld gekämpft.


Kein Wunder, das dieses so manchen Schachfreund an seine physische Leistungsgrenze brachte und auch zu einigen vorzeitigen Aufgaben führte. Die Turnierleitung unter der Führung von Hauptschiedsrichter Suhel Abdalla, unterstützt von den Schiedsrichtern Christoph Nikolai und Alexander Grillmaier, sowie der Vorstand des Schachclubs Kirchseeon (1. Vorsitzender: Christian Langer, 2. Vorsitzende: Sonja Naumann, Schatzmeister: Franz Obpacher) bemühten sich, die Spielbedingungen so angenehm wie möglich gestalten: Kurzfristig aufgestellte Ventilatoren sorgten für frischen Wind im Turniersaal, während der Hallenwirt Dieter Heidrich sowie viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer für die Bereitstellung kühler und heißer Getränke, Brotzeit und frisches Obst an der Theke sorgten.

Die in zwei Leistungsgruppen (A- und B-Open) aufgeteilten Spielerinnen und Spieler waren tatsächlich aus ganz Deutschland (u.a. Berlin, Bremen, Nordrhein-Westfalen) und einigen Nachbarländern (Österreich, Liechtenstein) angereist, und ein sich gerade auf Urlaub in Deutschland befindender Schüler aus den USA hatte sich noch kurz vor Turnierbeginn angemeldet. Auch bei den im Anschluß an die Partien geführten Gesprächen und Analysen zeigte sich die Internationalität und Vielfalt des Teilnehmerfeldes. Besonders stark war dabei einmal mehr die Jugend vertreten. So war mit Deniz Irtesz aus Düsseldorf sogar ein amtierender Europameister im A-Open am Start – er hatte im Mai 2026 als türkischer Schüler die europäische Schulschach-Einzelmeisterschaft in der Altersklasse U9 gewonnen. Der Auslosungsmodus bescherte ihm allerdings gleich in der ersten Runde einen nur allzu bekannten Gegner, nämlich seinen älteren Bruder Doruk, der ihm aber keine Geschenke machte und das Familienduell für sich entschied. Aus der näheren Umgebung war vor allem die Jugendabteilung des SC Vaterstetten-Grasbrunn in großer Zahl und hoher Qualität angetreten, u.a. mit Sophie Chenxin Zhong und Aaron Falck, die nur zwei Wochen zuvor als Kaderspieler des deutschen Schachbundes bereits an den Jugendweltmeisterschaften in Georgien teilgenommen hatten. Im Turnierverlauf stellte der Nachwuchs aus dem Landkreis Ebersberg seine Spielstärke eindrucksvoll unter Beweis: Nicht weniger als 5 der insgesamt 25 Preise und Pokale gingen bei der abschließenden Siegerehrung an Vaterstettener Kinder und Jugendliche.

Die ersten Plätze in beiden Gruppen waren jedoch den auswärtigen Spitzenspielern vorbehalten: Im A-Open gewann der auch nach Wertungszahlen-Rangliste stärkste Spieler Dr. Fabian Schlottmann vom SV Bönen (Nordrhein-Westfalen), ein an der Universität Tübingen promovierter Molekularbiologe, der offensichtlich auch auf dem Schachbrett immer einen tieferen Einblick in die Materie hat und die DNA der Stellungen zu entschlüsseln wusste. Platz 2 sicherte sich der Mathematiker Sebastian Bleecke aus Neuwied (Rheinland-Pfalz), der sich in der letzten Runde ein spannendes Duell mit Dr. Schlottmann lieferte, in welchem keine Seite entscheidenden Vorteil erringen konnte, weshalb in einem ausgeglichenen Endspiel schließlich Remis vereinbart wurde. Beide Spieler erreichten somit jeweils 4,5 Punkte aus 5 Partien, und erst die bei Turnieren nach „Schweizer System“ angewendete Buchholz-Feinwertung, welche zusätzlich die erreichten Punktzahlen der Gegner berücksichtigt, verhalf Dr. Schlottmann zum Turniersieg.

Alle übrigen Teilnehmer im A-Open hatten mindestens eine Verlustpartie und konnten deshalb nicht mehr in den Kampf um Platz 1 eingreifen – so auch der Kirchseeoner Philipp Biedenkopf, der am Freitagabend gesundheitlich nicht in Bestform mit einer Niederlage ins Turnier gestartet war, dann aber 4 Partien in Serie gewann und sich noch auf Platz 5 vorkämpfte.

Platz 3 erreichte Tugrul Türel von den Schachfreunden München, der mit seinen Vereinskollegen in diesem Jahr bereits bayrischer U16-Mannschaftsmeister geworden war, und der als Geldpreisgewinner wegen des laut Ausschreibung vorgesehenen Doppelpreisverbots den Pokal des besten U18-Jugendlichen an den ebenfalls erst 16jährigen Viktor Guba vom SK Feldkirch (Österreich) weiterreichte. Ebenfalls 4 Punkte und einen Geldpreis gewannen Andreas Stadler (SK München Südost) auf Platz 4, Stanislaw Berlizov (SC Beilngries) auf Platz 6, und auch der siebtplazierte Bahadir Türkboylari (SK Neuburg), der den Rating-Preis des beste Spielers mit Elo-Zahl unter 2000 erhielt. Bester Senior im A-Open war Armin Höller (SK Weilheim) mit 3,5 Punkten, beste Dame die bereits erwähnte Sophie Chenxin Zhong aus Vaterstetten, die den Pokal der besten weiblichen U18-Spielerin an die Münchnerin Georgia-Maria Lola vom MSA Zugzwang weiterreichte. Der Pokal des besten U12-Spielers im A-Open ging an Alper Özkurt vom SK Freising).

Das B-Open gewann mit Vincent Schulz vom SV Würzburg überraschend ein Newcomer, der noch nicht einmal eine offizielle Turnierwertungszahl hatte. Dennoch holte er als einziger Spieler im Turnier 5 Punkte aus 5 Partien und besiegte in der letzten Runde auch den Drittplazierten Andreas Huber vom SK Töging und ließ zudem den nach Elo-Rangliste stärksten Spieler Alexander Tsiapouris (SK Rochade Augsburg) mit 4 Punkten auf Platz 2 hinter sich.

Bestplazierter Jugendspieler des B-Opens war mit ebenfalls 4 Punkten auf Rang 4 Oscar Chenhao Zhong (10 Jahre) aus Vaterstetten, der deshalb gemeinsam mit seiner älteren Schwester Sophie bei der Siegerehrung auf dem Podium stand. Ebenfalls 4 Punkte und Geldpreise holten sich der zwölfjährige Andrej Savchuk (SC Uttenreuth) auf Platz 5 und Artem Palchenkov (SV Höhenkirchen) auf Platz 6. Auf Platz 7 verpasste der auch erst zehnjährige Bo Chu Li vom SV Schwaikheim Baden-Württemberg) mit ebenfalls 4 Punkten zwar knapp die Geldpreisränge, konnte sich aber über den an ihn weitergereichten Pokal des besten U18-Spielers freuen. Den starken Auftritt der Jugend im B-Open komplettierte außerdem Christoph Burton, ein 13jähriger Schüler vom Gymnasium Kirchseeon, der bei seinem ersten Wertungsturnier 4 von 5 Partien gewann und im B-Open Platz 8 erreichte, und damit zweitbester Neuling hinter Vincent Schulz war. Der Rating-Preis für den beste Spieler mit Elo-Zahl und 1400 ging an Dominik Jung vom SC Vaterstetten-Grasbrunn. Apropos jung: Im B-Open zeigte sich auch wieder einmal sehr anschaulich, das Schach ein Sport für wirklich alle Altersklassen ist: Der jüngste Teilnehmer (Daniel Kovacs aus Vaterstetten) war gerade einmal 7 Jahre alt, der älteste (Dr. Peter Lehnert vom SK Neuperlach, der mit 3,5 Punkten auch den Pokal des besten Seniors im B-Open gewann) hingegen 76 Jahre. Der jüngste Pokalgewinner war zudem David Kovacs (SC Vaterstetten-Grasbrunn) mit 9 Jahren, er erreichte 3,5 Punkte und Platz 10 im B-Open und bekam dafür hochverdient den Pokal des besten U12-Spielers im B-Open weitergereicht. Beste Dame im B-Open war die 13jährige Madhushri Raghavan (Schachfreunde München) mit 3 Punkten, der Pokal der besten wU18-Spielerin ging an Smrithi Suryaprakash (Schachfreunde München), und als beste weibliche U12-Spielerin wurde Anh Dao Tran Huyen (SC Vaterstetten-Grasbrunn) ausgezeichnet.

Aus dem Schachclub Kirchseeon beteiligten sich im B-Open außerdem die Senioren Bernhard (3 Punkte) Bettinger und Wolfgang Gruber und der Jugendspieler Philipp Brandelick (je 1,5 Punkte). Bernhard und Wolfgang verpassten dabei eine bessere Platzierung durch kleine „Last-Minute-Geschenke“ an den Gegner im Endspiel, während Philipp gegen spielstarke Gegner ein gutes Ergebnis erzielte.
Turniergebnisse und Listen bei chess-results.com:
Übersicht über alle bei der Siegerehrung genannten Preisträgerinnen und Preisträger, die Geldpreise und Pokale erhielten:
A-Open
1. Dr. Fabian Schlottmann (SV Bönen, NRW) 4,5 Punkte
2. Sebastian Bleecke (SC Heimbach-Weis/Neuwied, RP) 4,5 Punkte
3. Tugrul Türel (Schachfreunde München)
4. Andreas Stadler (SK München Südost)
5. Philipp Biedenkopf (SC Kirchseeon, SK Passau)
6. Stanislaw Berlizov (SC Beilngries)
Rating-Preis (Beste mit Elo-Zahl < 2000): Bahadir Türkboylari (SK Neuburg)
Bester Senior Ü60: Armin Höller (SK Weilheim)
Beste Dame: Sophie Chenxin Zhong (SK Vaterstetten-Grasbrunn)
Bester U18: Viktor Guba (SK Feldkirch,AUT)
Beste weibliche U18: Georgia-Maria Lola (MSA Zugzwang München)
Bester U12: Alper Özkurt (SK Freising)
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B-OPEN
1. Vincent Schulz (SV Würzburg), 5 Punkte aus 5 Runden!
2. Alexander Tsiapouris (SK Rochade Augsburg)
3. Andreas Huber (SK Töging)
4.Oscar Chenhao Zhong (SC Vaterstetten-Grasbrunn)
5. Andrej Savchuk (SC Uttenreuth)
6. Artem Palchenkov (SV Höhenkirchen)
Rating-Preis (Beste mit Elo-Zahl < 1400): Dominik Jung (SC Vaterstetten-Grasbrunn)
Bester Senior Ü60: Dr. Peter Lehnert (SK Neuperlach)
Beste Dame: Madhushri Raghavan (Schachfreunde München)
Bester U18: Bo Chu Li (SV Schwaikheim, BaWü)
Beste weibliche U18: Smrithi Suryaprakash (Schachfreunde München)
Bester U12: David Kovacs (SC Vaterstetten-Grasbrunn)
Beste wU12: Anh Dao Tran Huyen (SC Vaterstetten-Grasbrunn)
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Turnierausschreibung mit allen Einzelheiten (Turniermodus, Regeln, Preise, Anmeldeformalitäten):
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